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Dawit Isaak

"Wir Journalisten sind dafür verantwortlich den Forderungen der Öffentlichkeit Rechnung zu tragen."

Dawit Isaak

 

"Wir ehren Dawit Isaak für seinen Widerstand, seinen Mut und seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit. Die Verteidigung von grundsätzlichen Freiheiten verlangt Mut und Entschlossenheit."

Guillermo Cano, World Press Freedom Jury

Daten & Fakten

Lebensdaten
Orte des Widerstands
Werdegang (Schule, Ausbildung, Beruf)
Rezeption, Literatur, Filme und andere Quellen
Das Recht, wofür sich die Person einsetzt

Einleitung

Journalist und Dichter im Kampf um fundamentale Rechte: Der Journalist, Dichter und Dramatiker Dawit Isaak wurde am 23. September 2001 von Polizeikräften in Eirtrea verhaftet, zusammen mit einer Vielzahl von anderen Journalisten und führenden Vertretern der eritreischen Regierung. Isaaks Verhaftung und die seiner Kollegen erfolgte im Zuge der Schließung von acht Zeitungen durch die eritreischen Staatsbehörden am 18. September 2001. Dawit Isaak befindet sich nun seit über siebzehn Jahre in Haft, ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren. Er hat keinen Kontakt zur Außenwelt und weder seine Familie noch seine Anwälte kennen seinen Aufenthaltsort oder seine Verfassung.

Die Geschichte

Dawit Isaak

Journalist und Dichter im Kampf um fundamentale Rechte

Der Journalist, Dichter und Dramatiker Dawit Isaak, der sowohl die eritreische als auch die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde am 23. September 2001 von der eritreischen Polizei festgenommen. Nach damaligen Nachrichtenberichten wurden Dawit und andere Journalisten angeblich verhaftet, weil sie den nationalen Pflichdienst (Militärdienst) Eritreas vermieden hatten. Die Festnahmen erfolgten nach der Schließung von acht Zeitungen durch die eritreischen Staatsbehörden am 18. September 2001. Dazu gehörten die Wochenzeitschriften Meqaleh, Setit, Tsigenay, Zemen, Wintana und Admas. Dawit Isaak war Miteigentümer und Autor von Setit (ሰቲት), Eritreas erster unabhängiger Zeitung, benannt nach einem großen Fluss in Osteritrea. Anfang 2001 hatte Setit einen offenen Brief der "G-15" veröffentlicht, einer Gruppe eritreischer Politiker und Regierungsvertreter, die unter Präsident Isaias Afewerki die zunehmende Erosion der bürgerlichen Freiheiten in Eritrea scharf kritisierten. Bis auf eine kurze Pause im Jahr 2005 wurde Dawit Isaak siebzehn Jahre lang ohne Anklage oder Gerichtsverfahren und ohne Kontakt zur Außenwelt inhaftiert. Weder seine Familie noch seine Anwälte wissen von seinem aktuellen Aufenthaltsort oder seiner körperlichen Verfassung. Im März 2017 wurde Dawit Isaak mit dem UNESCO/Guillermo Cano World Press Freedom Preis ausgezeichnet. In ihrer einstimmigen Entscheidung erklärte die Jury ihren Wunsch, Dawit "für seinen Mut, seinen Widerstand und sein Engagement für die Meinungsfreiheit" zu würdigen. Er wurde auch für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit der Europäische Union nominiert.


Dawit Isaak wurde am 28. Oktober 1964 in Eritrea geboren, das damals zu Äthiopien gehörte. Er und seine fünf Geschwister wuchsen in relativ guten Verhältnissen in der Hauptstadt Asmara auf, wo seine Eltern ein italienisches Feinkostgeschäft führten. Schon in jungen Jahren zeigte Dawit eine Affinität zum Schreiben. Sein jüngerer Bruder Esayas erinnert sich, dass Dawit buchstäblich überall schrieb - am Frühstückstisch, vor der Schule, in seiner Freizeit, wenn andere Kinder spielten, nachts, in seinem Bett. Schon in der Grundschule begann er, Theaterstücke zu schreiben und zu inszenieren. Als junger Erwachsener veröffentlichte er zwei Romane in seiner Muttersprache Tigrinya, gewann mehrere Preise und gwann dadurch landesweite Aufmerksamkeit. Aber Eritrea befand sich damals in einem brutalen Unabhängigkeitskrieg (1961-1991). 1985 floh Dawit vor der Gewalt und fand Zuflucht in Schweden. Bald fand er eine Stelle als Hausmeister an einer Kirche in Göteborg und 1992 erhielt er die schwedische Staatsbürgerschaft.

Während seiner Zeit in Schweden bleib Dawit als Mitglied der eritreischen Exilgemeinschaft aktiv. Esayas Isaak erinnert daran, dass Dawit schon immer mehr an Kultur als an Politik interessiert war und er seine jüngeren Geschwister drängte, sich an "ihre Sprache, ihr Land, Ihre Wurzeln" zu erinnern. Aus diesem Grund sorgte Dawit auch dafür, dass Esayas seinen regelmäßigen Unterricht in Tigrinya fortsetzte.

Für Dawit sind die Künste mekr als alles andere der Schlüssel zum gesellschaftlichen Wandel. [3] Als Eritrea 1993 seine Unabhängigkeit erklärte, beschließt Dawit, in seine Heimat zurückzukehren, um die demokratische und kulturelle Entwicklung aktiv mitzugestalten. Er heiratet auch und gründet eine Familie. Bald werden er und seine Frau Sofia Eltern von drei Kindern - den Zwillingen Bethlehem und Yorun und ihrer jüngeren Schwester Danait. [4] In dieser Zeit kehrt Dawit zu seiner ersten Liebe, dem Theater, zurück und konzentriert sich auf die Arbeit mit kleinen Kindern am Shewit Children's Theatre und der Akrobatengruppe Circus Eritrea. Beide Organisationen gründete er gemeinsam mit Isaias Tsegai und seinem Freund und Kollegen Fesshaye Yohannes, der 2007 im Gefängnis gestorben sein soll.

Mit seiner Kurzgeschichte "Die Dreißigtausend" ("እተን ሰላሳ ሽሕ"), die im eritreischen Radio ausgestrahlt und breit besprochen wurde, gewinnt Dawit nationale Bedeutung. [5] SIe erzählt die Geschichte eines gemeinen und knauserigen Friseurs, der eine große Menge an Bargeld in seinem Friseurstuhl hortet, nur um das Geld aufgrund einer Währungsumstellung entwertet zu finden, als er Jahre später versucht, es wieder einzusammeln.

Seit 1993 wird Eritrea von Isaias Afewerki regiert, einem ehemaligen Militärkommandanten und politischen Kommissar der Eritrean Liberation Front (ELF, später Eritrean Peoples' Liberation Front, EPLF), die den Kampf um die Unabhängigkeit führte. 1996 erließ die eritreische Regierung das so genannte Presseverkündungsgesetz, das das private Eigentum an Printmedien erlaubt. Einige Journalisten beschließen, die Gelegenheit zu nutzen und die erste unabhängige Zeitung Eritreas, Setit, zu gründen. Dawit tritt der Publikation bald als beitragender Autor und später als Investor und Mitinhaber bei. Für Dawit sind alle Nachrichten wichtig, angefangen von großen Themen wie Krieg und internationale Beziehungen bis hin zu lokalen Konflikten. Er baut sich schnell einen Ruf als kompetenter Interviewer auf, der in der Lage ist, seine Gesprächspartner zu entspannen. Dawit wird vor allem durch seine einfühlsamen Porträts eritreischer Schriftsteller und Künstler bekannt. Sein persönliches Motto ist schlicht und direkt: "Wenn du die Möglichkeit hast zu schreiben, tu es." [6]

Wie seine Landsleute ist er bestrebt, dass sein Land sich wirtschaftlich weiter entwickelt, aber Dawits Hauptinteresse gilt der Förderung der sozialen Gerechtigkeit. Sein Kollege und Mitbegründer von Setit, Aaron Berhane, betrachtet Dawit als einen der begabtesten Journalisten, den er je getroffen hat, der in der Lage ist, selbst die komplexesten und sensibelsten Themen leicht zugänglich zu präsentieren. Zu seinen Themen gehören Grenzstreitigkeiten, Mangel an sauberem Wasser und Literatur. Dawits Freunde erinnern sich an ihn und bewundern ihn wegen seiner stillen Autorität und Ruhe sowie seine sorgfältige Argumentation selbst in den angespanntesten Diskussionen.

Afewerkis Herrschaft wird jedoch immer autokratischer. Angespornt durch die immer schwierigeren Bedingungen in Eritrea beschließt Dawit im Jahr 2000, dass seine Familie nach Göteborg umziehen sollte. Er selbst kehrt unmittelbar im darauf folgenden Jahr nach Eritrea zurück. Dawit nutzt die ihm gebotene Plattform als Journalist, um sich für mehr Offenheit und Transparenz in öffentlichen Angelegenheiten einzusetzen. In einem in Setit veröffentlichten Artikel bittet er führende Regierungsmitglieder, nicht allein auf Anfragen ausländischer Medien zu antworten, sondern auch auf die Fragen der eritreischen Presse zu achten.

Anfang 2001 beginnt eine Gruppe prominenter eritreischer Politiker und Minister, öffentliche Kritik und Besorgnis darüber zum Ausdruck zu bringen, wie Präsident Afewerki das Land führt. Diese Gruppe wird später einfach als "G-15" bezeichnet. In einer Reihe von Offenen Briefen fordern sie, dass wie versprochen Wahlen stattfinden und die vorgeschlagene Verfassung in Kraft gesetzt wird. Trotz Bedrohungen und zunehmender Risiken für ihre eigene Sicherheit berichten Dawit und seine Kollegen regelmäßig in Setit über diese Forderungen.

Dawit Isaak ist persönlich mit dem Präsidenten Eritreas bekannt und hat ihn mehrmals getroffen. Aber das schützt ihn nicht davor, zur Zielscheibe zu werden. Am 23. September 2001 klopft es an der Haustüre der Isaaks. Draußen stehen zwei Sicherheitsbeamte, die gekommen sind, um Dawit zu verhaften. Er lädt sie ein und bietet ihnen sogar eine Tasse Tee an, bevor sie ihn wegbringen. Dawit und die meisten der G-15 werden mit dem offensichtlichen Versuch von Präsident Afewerki gefangengenommen, die Meinungs- und Diskussionsfreiheit in Eritrea zu unterdrücken. [9]

Im Oktober 2001 leugnen eritreische Regierungsbeamte, dass es zu einer politisch motivierten Razzia kommt, und behaupten stattdessen, dass Dawit und andere Journalisten lediglich zur Durchführung ihres obligatorischen nationalen Militärdienstes geschickt wurden. Sie erklären auch, dass die Schließungen und Massenverhaftungen im Interesse der nationalen Einheit notwendig waren und durchgeführt wurden, weil die Zeitungen die Gesetze über Medienlizenzen nicht eingehalten haben. Alle inhaftierten Personen werden ihre Bankkonten gesperrt und ihr persönliches Vermögen beschlagnahmt.

Seit dem 23. September 2001 ist Dawit inhaftiert, ohne dass ein Gerichtsverfahren oder eine formelle Verurteilung eingeleitet wurde.  Es wurden keine Beweise für seine Verhaftung vorgelegt, nach sechzehn Jahren wurden keine offiziellen Anklagen erhoben und ihm wurde kein Prozess gewährt, der gegen das nationale und internationale Recht verstößt. 

Als Dawit verhaftet wurde, übte er - wie alle Journalisten - sein grundlegendes[Menschen-]Recht gemäß Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aus, "das Recht auf Meinungs- und Meinungsfreiheit". Eritrea unterstützt die Erklärung formell. Eritrea wurde auch wiederholt aufgefordert, das geltende Völkerrecht einzuhalten, wie es in der Afrikanischen Charta der Menschen- und Volksrechte und dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte festgelegt ist. 

Im November 2001 wurde dem schwedischen Konsul in Asmara ein kurzes Treffen mit Dawit im Gefängnis gestattet. Im April 2002 wurde berichtet, dass Dawit ins Krankenhaus eingeliefert worden war und dass er an nicht offenbarten Verletzungen im Gefängnis sowie an Diabetes litt.  Zwei Jahre später, im April 2004, tauchten Nachrichten auf, Dawit und andere Journalisten sollen in geheimen Sicherheitsabteilungen der 2. und 6. Polizeistation in Asmara festgehalten worden sein.

Im November 2005 wurde Dawit plötzlich aus der Haft entlassen und durfte seine Familie und Freunde in Schweden anrufen. Nur zwei Tage später wurde er ohne Erklärung ins Gefängnis zurückgebracht. Seitdem soll Dawit in verschiedene Gefängnisse im ganzen Land verlegt worden sein. Seit Dezember 2008 soll Dawit in einem Hochsicherheitsgefängnis in Embatkala, 35 Kilometer nordöstlich von Asmara, festgehalten werden. Die Haftbedingungen in Eritrea sind extrem streng. Die Sommertemperaturen übersteigen regelmäßig 45°C (113°F), mit schlechter Hygiene und praktisch keiner medizinischen Versorgung. Nach Angaben von Amnesty International und anderen internationalen Menschenrechtsorganisationen sind Gefangene regelmäßig gezwungen, "schmerzhafte und erniedrigende Aktivitäten zu unternehmen, die über lange Zeiträume an Seilen in schmerzhaften Positionen befestigt waren".

Im Januar 2009 wurde Dawit offenbar aufgrund einer schweren Krankheit aus dem Gefängnis in ein Luftwaffenkrankenhaus in Asmara überführt, später aber wieder ins Gefängnis gebracht. Im Januar 2010 behaupteten neue Zeugen, dass Dawit in Einzelhaft gehalten wurde, in einer winzigen Zelle ohne Fenster und bei sehr schlechter körperlicher und geistiger Gesundheit. Ihm und den anderen Häftlingen ist angeblich kein Kontakt untereinander oder mit der Außenwelt erlaubt. Die neuesten Berichte deuten darauf hin, dass Dawit im Gefangenenlager EiraEiro, 10 Meilen nördlich von Asmara, festgehalten wird. [10]

Mitte April 2010 erklärte die schwedische Europaabgeordnete Eva-Britt Svensson, dass der eritreische Botschafter in Brüssel, Girma Asmerom Tesfay, ihr in einer Sitzung mitgeteilt habe, dass Dawit wegen eines Verbrechens formell angeklagt und vor Gericht gestellt werden solle. Dies wurde jedoch von der eritreischen Botschaft in Brüssel schnell abgelehnt.

Es gibt ernsthafte Bedenken über den Gesundheitszustand von Dawit, die sich aus den Bedingungen ergeben, unter denen er seit 16 Jahren inhaftiert ist.  Viele von Dawits Kollegen und die meisten der G-15 sind Berichten zufolge im Gefängnis gestorben.  

Seit 2001 ignoriert die eritreische Führung schlichtweg alle Versuche von außen, Informationen über Dawit Isaak zu erhalten. Im Jahr 2009 kommentierte Präsident Afewerki kurz die Inhaftierung von Dawit: "Wir werden keinen Prozess haben und ihn nicht befreien. Wir wissen, wie man mit solchen Leuten umgeht." Die von der UNO 2009 erstmals verhängte strenge Sanktionsregelung hat bisher zu keiner Änderung dieser Haltung geführt. Ebenso wenig hat die Europäische Union in den letzten Jahren eine neue Politik des "Engagements" Eritreas verfolgt.

Im Jahr 2011 reichte sein ehrenamtliches Rechtsteam (die Anwälte Jesús Alcalá, Prisca Orsonneau und Percy Bratt) beim eritreischen Obersten Gerichtshof einen Antrag auf Habeas Corpus ein.

Habeas corpus ist ein formeller rechtlicher Antrag, der den eritreischen Beamten die Pflicht auferlegt, Dawit Isaak unverzüglich vor einem Gericht zu präsentieren. Bisher hat Eritrea den fi einfach ignoriert.

Eritrea hat in früheren Fällen vor der Afrikanischen Kommission erklärt, dass sie den Grundsatz des Habeas Corpus respektieren. In diesem Fall wollte der High Court jedoch nicht einmal zugeben, dass er die Klage erhalten hatte. Im Januar 2012 wurde den eritreischen Behörden von der Vertretung der Europäischen Union in Asmara eine weitere Kopie der Petition übergeben, die an den Gerichtshof weitergeleitet wird. Dennoch würde der eritreische High Court nicht bestätigen, dass er die Einreichung der Habeas-Corpus-Anmeldung erhalten hat.

Angesichts der mangelnden Reaktion Eritreas haben die Anwälte von Dawit im Herbst 2012 offiziell eine Mitteilung an die African Commission on Human and Peoples' Rights (ACHPR) eingereicht, um Eritrea offiziell aufzufordern, Dawit frei zu lassen. Im Oktober 2013 antwortete Eritrea der Kommission, dass sie nicht alle rechtlichen Maßnahmen im Fall Eritrea für erschöpft hält.  Die Kommission hat jedoch beschlossen, den Fall fortzusetzen. Im Jahr 2016 beschloss die Kommission, den Fall Dawit nicht erneut zu verhandeln, da die Angelegenheit im Rahmen einer früheren Anmeldung bei der Kommission im Jahr 2003, die von der Menschenrechtsgruppe Artikel 19 eingereicht wurde, behandelt worden sei. Die Kommission hat jedoch auf das Schärfste die Handhabung der Inhaftierung von Dawit Isaak durch die eritreische Regierung verurteilt und seine sofortige Freilassung gefordert. Die Kommission forderte Eritrea auch auf, dafür zu sorgen, dass Dawit Rechtsbeistand erhält und Kontakt zu seiner Familie aufnehmen kann. Insbesondere stellte die Kommission fest, dass Eritrea gegen eine Reihe von Bestimmungen der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker verstoßen hat, darunter[11].

- das Recht auf ein faires Verfahren (Artikel 7.1)

- das Recht auf Rechtsbeistand (Artikel 7.1 c)

- die Bestimmung gegen Folter, in der es heißt, dass die völlige Isolation eines Gefangenen wie Dawit Isaak über einen längeren Zeitraum hinweg eine Folter darstellt (Artikel 5).

- das Recht auf freie Meinungsäußerung (Artikel 9)

- das Recht auf Leben und Familie. Nach Angaben der Kommission hat Eritrea nicht nur die Persönlichkeitsrechte von Dawit Isaak, sondern auch die seiner Familie verletzt. (Artikel 18)

- die Tatsache, dass alle Unterzeichnerstaaten verpflichtet sind, die Satzung der Charta einzuhalten (Artikel 1)

Eritrea liegt seit Jahren auf Platz eins im Index der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. Im Jahr 2015 ließ die eritreische Regierung schließlich sechs Journalisten frei, die sie seit 2009 inhaftiert hatte. Leider war Dawit Isaak nicht dabei. Die Freilassung ist ein Zeichen dafür, dass sich die eritreische Regierung anfällig für internationalen Druck fühlen könnte. Das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen garantiert Opfern von Repressionen und ihren Familien das Recht auf wahrheitsgemäße Informationen über ihre Tortur. Dennoch zögerten die schwedische Regierung und die internationale Gemeinschaft, verschiedene Rechtsinstrumente in Anspruch zu nehmen, um die eritreische Führung zu zwingen, endlich Informationen über den Aufenthaltsort und die körperliche Verfassung von Dawit Isaak zu liefern.

Im Jahr 2010 verfassten der schwedische Menschenrechtsanwalt Percy Bratt und sein Kollege Olle Asplund ein formelles Rechtsgutachten, in dem sie feststellten, dass die schwedische Regierung aufgrund von Fällen des Völkerrechts und des Europäischen Gerichtshofs nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, im Namen von Dawit Isaak zu sprechen.

Im Jahr 2015 verabschiedete Schweden Gesetze, die das Engagement des Landes für den Grundsatz der "universellen Gerichtsbarkeit" - die Fähigkeit, Verbrechen gegen die Menschlichkeit überall auf der Welt zu verfolgen, unabhängig davon, wo diese Verbrechen begangen wurden - erheblich stärken. Dennoch haben sich die schwedischen Staatsanwälte bisher geweigert, ein förmliches Verfahren gegen die eritreische Führung wegen der gegen Dawit Isaak begangenen Verbrechen der Folter und der illegalen Inhaftierung einzuleiten.  

Als das Rechtsteam von Dawit gegen die Entscheidung Berufung einlegte, entschied sich der schwedische Generalstaatsanwalt, das ursprüngliche Urteil nicht aufzuheben. In einer wesentlichen Abweichung von der früheren Entscheidung erklärte er jedoch, dass das erzwungene Verschwinden von Dawit Isaak und seinen Kollegen dem Standard der "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" entspricht und dass eine formelle Untersuchung der Anklagepunkte gegen die Führung Eritreas erfolgen könnte und sollte. 

Im Juni 2016 behauptete Eritreas Außenminister Osman Saleh in einem Interview mit Radio France Internationale (RFI), dass Dawit Isaak am Leben sei, obwohl keine weiteren Informationen gegeben wurden. Im gleichen Interview sagte der Außenminister, dass die inhaftierten Männer, darunter Dawit Isaak, "wenn die Regierung entscheidet", vor Gericht gestellt würden. 

Im März 2017 wurde Dawit Isaak mit dem UNESCO/Guillermo Cano World Press Freedom Prize ausgezeichnet. Mit ihrer einstimmigen Entscheidung wollte die Jury Dawit Isaak "für seinen Mut, seinen Widerstand und sein Engagement für die Meinungsfreiheit" auszeichnen. Die Empfehlung wurde von der UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova offiziell unterstützt.

"Die Verteidigung der Grundfreiheiten erfordert Entschlossenheit und Mut - sie erfordert furchtlose Anwälte", schrieb Bokova. "Das ist die Botschaft, die wir heute mit dieser Entscheidung senden, um die Arbeit von Dawit Isaak hervorzuheben."

Die Aussicht auf eine Lösung des Falles von Dawit Isaak in naher Zukunft bleibt düster. Selbst nach der Beilegung eines zwanzigjährigen Grenzstreits mit Äthiopien im Juli 2018 und der anschließenden Aufhebung wichtiger Sanktionen der Vereinten Nationen zeigt Präsident Afewerki keine Anzeichen dafür, dass er seine Macht aufgibt oder die Verfassung von Eritrea wiederherstellt.

Anmerkungen

1. Filing on behalf of eleven detained former Eritrean government officials before the African Commission on Human and Peoples' Rights, 2002 http://www.achpr.org/communications/decision/250.02/

2.Filing on behalf of 17 detained Eritrean journalists before the African Commission on Human and Peoples' Rights, 2003  http://www.achpr.org/communications/decision/275.0 3/

3. Writ of Habeas Corpus for Dawit Isaak, filed in 2011 with the Eritrean High Court in Asmara, Eritrea

4. http://www.peneritrea.com/blog/dear-dawit-happy-birthday

5. http://www.reportrarutangranser.se/nyheter/20170430/fornyat-krav-fran-achpr-att-eritrea-ska-slappa-dawit-isaak

6. https://freedomhouse.org/report/freedom-press/2016/eritrea

7. Eritrea's prisons https://www.youtube.com/watch?v=pt8ST1U4o60

8. EiroEira Prison https://rsf.org/en/news/new-revelations-about-eiraeiro-prison-camp-journalist-seyoum-tsehaye-cell-no-10-block-a01

9. https://rsf.org/en/news/six-eritrean-journalists-released-after-nearly-six-years-prison

10. Kerry Kennedy,"Time to free Swedish Journalist Dawit Isaak", The Local , 5 May 2015.

https://www.thelocal.se/20150505/time-to-free-swedish-freedom-fighter-dawit-isaak

11. http://en.rfi.fr/africa/20160621-eritrea-foreign-minister-denies-human-rights-abuses-clashes-ethiopia-disappeared-act

12. http://en.unesco.org/courier/july-september-2017/dawit-isaak-symbol-press-freedom-who-must-be-freed

13. v Manuel Vergara, 'The Power of Universal Jurisdiction', paper presented at the Raoul Wallenberg International Roundtable, Stockholm, 14 September 2017.

14. http://www.ohchr.org/EN/HRBodies/HRC/CoIEritrea/Pages/2016ReportCoIEritrea.aspx

15. http://www.thenational.scot/news/14896688.Campaigners_release_song_for_Eritrean_journalist_Dawit_Isaak_marking_his_15th_year_in_prison/

16. http://www.kingsizemag.se/samhalledebatt/daniel-boyacioglu-moh-denebi-slapper-videon-fagelsang-for-dawit-isaak/

17. Interview with a former Eritrean prison guard, http://hrc-eritrea.org/391/

18. Human Rights in Eritrea  http://hrc-eritrea.org/how-the-human-rights-crisis-in-eritrea-reached-this-point/

Unvollständige Liste von in Eritrea inhaftierten Journalisten (2000-2013)

1. Ghebrehiwet Keleta: reporter for ጽጌናይ (Tsigenay: ‘The Pollinator’), arrested in July 2000 before the political crackdown. He has been detained incommunicado without charge since then.

2. Amanuel Asrat: award-winning poet, chief-editor and co-founder of ዘመን (Zemen: ‘Times’), credited with establishing literary clubs in the country. He was been detained incommunicado without charge since September 23, 2001. Amanuel was reported to be alive in Eiraeiro prison camp, according to a former prison guard who fled the country in 2010.

3. Idris Aba’Are: author of two books, freelance journalist, disabled veteran freedom fighter who was serving as director at the Ministry of Labour and Human Welfare at the time of his arrest in October 2001. Rumoured to be held in Eiraeiro, but no information from official or other sources has been made public since his arrest.

4. SeyoumTsehaye: co-founder of the Eritrean People’s Liberation Front (EPLF)’s department of photography during the armed struggle; co-founder and first director of the state-owned national TV station, Eri-Tv; freelance journalist and photographer who was arrested with the political reformist group known as G-15 in September 2001. According to the latest information, Seyoum was being held at Eiraeiro prison camp.

5. Yosuif Mohammed AliTsigenay’s editor-in-chief and co-owner, taken into custody along with other journalists for the independent newspapers on September 23, 2001; reported dead in prison camp in 2006, but his family has not received any official notification.

6. Said Abdelkadir: ኣድማስ (Admas’: ‘The Universe’) chief-editor and owner, an entrepreneur, taken to prison on September 23, 2001. Reported dead in a prison camp according to the limited information available, but this has not been confirmed by the authorities.

7. Medhanie Haile: ቀስተ-ደበና (Keste-debeena’s: ‘Rainbow’) assistant chief-editor and co-founder; a lawyer who was working at the Ministry of Justice at the time of his arrest on September 23, 2001. Reported dead in a prison camp, but this has not been officially confirmed.

8. Dawit Isaak: Swedish-Eritrean journalist, playwright, poet, co-owner of ሰቲት (Setit); taken into custody on the dawn of September 23, 2001; briefly released for few days in 2005, but taken back to an undisclosed location shortly afterwards.

9. Dawit Habtemichael: መቓልሕ (Meqalh’s: ‘Echo’) co-owner, co-founder and assistant chief editor, who was working as a physics teacher in Asmara at the time of his arrest in September 2001. According to a former prison camp guard, he was suffering from schizophrenia and was in a deteriorating health state in 2010; no further information has come to light.

10. Matheos HabteabMeqalh’s co-founder, co-owner and its chief editor, detained on September 23, 2001. Habteab was a conscript to the Eritrean defense army at the time of his arrest. He is reported to have died in 2010, but this has not been officially confirmed.

11. Temesegen Ghebereyesus: actor; Keste-demena editorial board member and editor of its sports section, taken to prison on September 23, 2001. According to the latest information from the former prison guard, he was reported alive in Eierairo prison camp.

12. Fessaheye Yohannes “Joshua”: poet, playwright, co-founder of Shewit Children’s Theatre and co-owner of Setit; Fessehaye was detained along with other journalists in September 2001. According to leaked information, he is reported to have died in 2006, but this has not been officially confirmed by the Eritrean authorities.

13. Sahle Tseazagab “Wedi-Itay”: a veteran freedom fighter and freelance journalist, first for the state press and then for Zemen. He turned to writing for Zemen when the state-owned newspaper began to censor his forthright articles on Eritrea’s deferred dreams. At the time of his arrest in October 2001, he was serving as director of the civilian affairs branch at the Attorney General's office and was finalizing his departure to South Africa to pursue his studies. Reporters Without Borders report that Sahle died of poor health in prison, but there has been no official explanation from the Eritrean authorities. He leaves behind two daughters.

14. Saleh Idris “Aljazeeri”: journalist for the state-owned Arabic daily Eritrea alhaditha who was also working for Eritrean State Radio Arabic desk at the time of his arrest in

February 2002. In addition to his regular duty at the radio, Saleh regularly wrote articles for the Arabic newspaper. Since then Saleh has been detained in an undisclosed location with no official explanation from the Eritrean authorities.

15. Hamid Mohammed Said “CNN”: Sports journalist for the Arabic language service of Eri-TV. He was arrested on February 15, 2002, reportedly in connection with the political crackdown, but was never brought to court. The Eritrean government has not clarified his whereabouts.

16. Jim’ie Kimeil: Investigative reporter and editor of thesports section for the state-owned Arabic daily newspaper Eritrea alhaditha; veteran freedom fighter whose critical articles were the source of tensions with his employers at the Ministry of Information. He was detained on November 24, 2005 as part of a wave of arrests that included other 13 prominent figures including the famous singer and song writer Idris Mohammed Ali and Taha Mohammed Nur, one of the founders of the Eritrean Liberation Front (ELF) (who died in detention in 2008). Jim’ie and the others were never charged; their whereabouts remain unknown.

17. Sultanyesus Tsigheyohannes: journalist for the state-owned English language newspaper, Eritrea Profile, arrested in December 2008 in connection to his faith. He was neither charged nor his current location disclosed to his family.

18. Abubeker Abdelawel Abdurahman: published author and dramatist who worked as a freelance reporter for the Ministry of Information in different zones; at one time he was assistant chief-editor of the Tigrinya daily ሓዳስ-ኤርትራ (Haddas Ertra: “The New Eritrea”)He was arrested in February or March 2013 in connection with the January 2013 mutiny; he has never been brought to court and was taken to an undisclosed location.

Quelle: Pen International www.pen-international.org

2013 veröffentlichte Liste eritrischer Journalisten

1. Mohammed Said Mohammed

2. Biniam Ghirmay

3. Esmail Abd-el-Kader

4. Araya Defoch

5. Mohammed Dafla

6. Simon Elias

7. Yemane Hagos

2015 veröffentlichte Liste eritrischer Journalisten

1. Bereket Misghina, Radio Bana

2. Yirgalem Fisseha Mebrahtu, Radio Bana

3. Basilios Zemo, Radio Bana

4. Meles Negusse Kiflu, Radio Bana and Radio Zara

5. Girmay Abraham, Radio Dimtsi Hafash

6. Petros Teferi

Source: www.rfs.org https://rsf.org/en/news/six-eritrean-journalists-released-after-nearly-six-years-prison

 

Susanne Berger

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