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Birgit Lohmeyer

"In uns hat sich der demokratische Trotz gerührt.
Woanders hingehen kam nicht in Frage, dann hätten wir uns selbst aufgegeben."

Birgit Lohmeyer

 

"Birgit und Horst wollen ein buntes Meck-Pomm, ein buntes, offenes und tolerantes Deutschland, ohne Rassismus, ohne Ausgrenzung und ohne Hass (...) Sie lassen sich nicht vertreiben, sie geben nicht klein bei!"

Sänger Bosse (Laudatio bei der Verleihung der Eins Live Krone)

Daten & Fakten

Lebensdaten
Familie
Orte des Widerstands
Werdegang (Schule, Ausbildung, Beruf)
Mitgliedschaften, Politisches Engagement
Rezeption, Literatur, Filme und andere Quellen
Widerstandskräfte
Das Recht, wofür sich die Person einsetzt

Einleitung

Birgit Lohmeyer verteidigt demokratische Rechte in einem Dorf voller Neonazis.

Die Geschichte

lohmeyer 1Birgit Lohmeyer, geb. Hölscher, war früh sozial engagiert. Ende der 1970iger Jahre begann sie Insassen der Hamburger Justizvollzugsanstalten zu besuchen. Später studierte sie Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung und Kriminologie im Nebenstudium. Nach ihrem Studium arbeitete sie ein gutes Jahrzehnt in der Suchtprävention. Doch sie merkte, dass dieser Beruf sie nicht auf Dauer ausfüllte, so begann sie zu schreiben und verfasste Erzählungen, Kurzgeschichten und (Kriminal-)-Romane, bei denen sie auch ihre Erfahrungen in der Drogenszene und im sogenannten Hamburger Rotlichtviertel Sankt Pauli verarbeitete.

Im Jahr 2004 erfüllten sich Birgit und Horst Lohmeyer einen Lebenstraum. Sie übernahmen einen denkmalgeschützten Forsthof in idyllischer Landschaft an der Ostsee und kehrten der Großstadt Hamburg den Rücken. Doch binnen kürzester Zeit änderte sich das Klima im Dorf. War es zunächst nur eine Familie mit rechtsextremer Gesinnung, zogen bald andere nach. Mittlerweile gehören etwa 90 bis 95 Prozent der Dorfbewohner und -bewohnerinnen der Nazi-Szene an, inklusive Familien mit Kindern.

Die Stimmung im Dorf wurde feindselig gegen die Lohmeyers, es kam zu Drohungen, Beleidigungen, Diebstahl und Sachbeschädigung. Um dem etwas entgegenzusetzen, organisierten Birgit und Horst Lohmeyer 2007 ein Rockfestival in ihrem Garten mit dem Namen „Jamel rockt den Förster“, gegen erheblichen Widerstand ihrer rechten Nachbarn. 2010 wurde ein Festivalbesucher zusammen geschlagen. Im August 2015 fiel die denkmalgeschützte Scheune des Forsthofs einem Brandanschlag zum Opfer und brannte vollständig aus. Obwohl Polizei und Feuerwehr Brandbeschleuniger fanden, konnten die Täter nie ermittelt werden. Doch die Lohmeyers gaben nicht auf. Mit nun prominenter Unterstützung vor allem durch die Band „Die Toten Hosen“ wurde das Festival immer größer und illustrer. Es findet jedes Jahr im Sommer - nach wir vor im großen Garten der Lohmeyers - statt.

Jameln rockt den FörsterDie Lohmeyers erhielten für ihre Zivilcourage viele Preise, unter anderem den Paul-Spiegel Preis und den Georg-Leber Preis für Zivilcourage und die „1Live Krone“ und den „Live Entertainment Award“, sie wurden vom Bündnis für Demokratie und Toleranz zu „Botschafter der Toleranz“ und zu „Helden des Nordens“ erklärt.

Das Interview mit Birgit und Horst Lohmeyer wurde im Juli 2019 geführt und ist im Fritz Bauer Blog unter dem Titel "Der Rechtsextremismus ist die größte Herausforderung im 21. Jahrhundert" nachzulesen.

Fotos: Birgit Lohmeyer und Horst Lohmeyer ©Mike Fischer;  Bühnenbild: Bosse ©Charles Engelke.

Daniela Collette

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